Souveräne IT für Gründer – Teil 1

12. Januar 2026
Souveränität Linux Hardware

Laptop, Linux und zu viel Ärger

Als Gründer hat man diese eine Chance: Dinge von Anfang an richtig zu bauen – statt Jahre mit „historisch gewachsen“ zu kämpfen.

In meinem Fall heißt das: Nah an der Technik, mit der ich arbeite – und wo möglich: Open Source.

Open Source und Souveränität waren mir schon wichtig, bevor sie 2025 zum Buzzword wurden.

Ich arbeite seit rund 15 Jahren mit Linux und habe die letzten 8 davon im DevOps-Umfeld verbracht. Entsprechend naheliegend war meine erste Gründer-Entscheidung:

„Ich kaufe mir einen Firmenlaptop und installiere erstmal Linux drauf – Windows ist mir eh immer nur im Weg.“

(Wer mir jetzt ein MacBook empfehlen möchte: Den Glaubenskrieg führen wir heute nicht. :-P)

Spoiler: Es wurde komplizierter als gedacht.

Der Plan: neuer Laptop, Linux drauf, fertig

Gesagt, getan – etwas Gutes und halbwegs Zukunftsfähiges sollte es sein.

Ich habe mich für ein HP Omnibook Ultra Flip 14 entschieden: neu, gute Specs, subjektiv hübsch, und für unterwegs genau die richtige Größe (zu Hause hängt es eh an der Docking-Station).

Bonus-Marketingbegriff: „KI-PC“. Was das für Nicht-Nerds bringt, weiß ich noch nicht so genau. Und selbst für Nerds wie mich, wird’s mit Linux + Intel Arc auch… spannend. (Dazu irgendwann mehr: Lokale KI auf Linux mit Intel Arc.)

Und hier fingen die Herausforderungen an…

…die manche vermutlich direkt wieder von ihren ersten „Souveränitätsversuchen“ abgebracht hätten.

1) Ubuntu: Touchpad? Welches Touchpad?

Ubuntu hat schon nach dem Boot vom Install-ISO das Touchpad nicht erkannt. Von „Laptop-/Flip-Features“ (Rotation, Tablet-Mode usw.) ganz zu schweigen.

Ich war eh nicht festgelegt und habe stattdessen Fedora 41 gebootet – und siehe da: Touchpad funktioniert.

„Gut, nicht lange ärgern. Nehmen wir halt Fedora.“

2) Fedora-Installer: Full Disk Encryption – versteckt wie ein Easter Egg

Linux installieren ist heute meistens kein Drama mehr: „Weiter“, ausfüllen, „Weiter“, „Fertig“. Dual-Boot mit dem vorinstallierten Windows? Wurde direkt angeboten. Das hatte ich früher auch schon deutlich unkomfortabler.

Aber dann: Wo ist die Option für Full-Disk-Encryption?

Kurze Google-Suche (ja, old school, nicht direkt ChatGPT) und Ergebnis:

Die Vollverschlüsselung war in der von mir verwendeten Version des Installers gut versteckt:

  • erst „manuell partitionieren“ (sinngemäß) klicken
  • dann zurück
  • und erst dann erscheint beim automatischen Dual-Boot plötzlich das Häkchen für Vollverschlüsselung

WTF – aber ok. Hauptsache am Ende verschlüsselt.

Lernmoment: Souveränität beginnt manchmal schon damit, dass man Installer-Workarounds googeln muss.

3) Tablet-/Flip-Funktionen: „läuft“ erst nach einem Treiber-Abenteuer

Fedora war installiert – aber die ganzen „Laptop-Features“ liefen trotzdem noch nicht sauber (Touchscreen, Rotation, Sensorik).

Nach längerer Recherche und einem Fund auf Reddit war der Workaround ungefähr:

  • Windows-Treiberpaket besorgen
  • unter Linux per Wine installieren
  • bestimmte Firmware-/Support-Dateien an die passende Stelle kopieren
  • reboot
  • hoffen

Sehr abenteuerlich und unnötig kompliziert.

Aber: Es hat funktioniert.

Am Ende hatte ich:

  • Linux auf neuem HP-Laptop
  • Touchpad
  • Touchscreen
  • Rotation/Tablet-Mode

Lernmoment: Neue Hardware + Linux ist nicht „unmöglich“, aber manchmal eben doch mehr Basteln als ich vorher gedacht hätte.

Warum das als 1-Personen-Firma noch geht – und im Unternehmen eher nicht

Wenn ich ehrlich bin: Als größeres Unternehmen würde ich mir das so nicht antun.

Da verstehe ich inzwischen auch besser, warum viele Firmen auf „langweilige, gut supportete“ Lenovo-Modelle setzen, Geräte ggf. schon vom Hersteller mit passenden Images ausgeliefert, und warum Firmen mit mehr Mitarbeitern „eher zurückhaltend“ mit Sonderwünschen bzgl. Mitarbeiter-Hardware sind.

Als Techie meckert man gern: „Warum kann ich nicht dieses fancy Notebook bekommen?“

Man entwickelt Verständnis, sobald man selbst entscheidet – und das Ganze langfristig funktionieren soll. Ohne einen ganzen Tag Frickelei.


Und mit diesem ersten Erfolg geht’s weiter zu den nächsten Entscheidungen – und den nächsten Abenteuern.