Souveräne IT für Gründer – Teil 2

19. Januar 2026
Souveränität Cloud Hetzner

IONOS, Hetzner und der Widerstand gegen „einfach Google nehmen“

Nach dem Linux-Laptop-Abenteuer standen die nächsten Entscheidungen an – und die waren mindestens genauso wichtig:

  • Domain und DNS
  • E-Mail-Adressen
  • Webspace
  • Cloud-Infrastruktur

Als Gründer auf der grünen Wiese hat man maximale Freiheit. Gleichzeitig bedeutet „grüne Wiese“ auch: noch grüner als in der Vergangenheit als Angestellter.

Alles muss neu aufgebaut werden. Und viele Schritte fühlen sich wie Henne-Ei-Probleme an:

„Wie erstelle ich Accounts bei Service-Anbietern, die mir vielleicht meine Domain und eine Mail-Adresse geben, wenn ich noch keine Mail-Adresse und Domain habe?“

Die pragmatische Lösung: Einfach anfangen. Erste Registrierung mit der privaten E-Mail-Adresse, dann nach Erstellung auf die geschäftliche umstellen.

Warum nicht einfach die großen Cloud-Anbieter?

Kurz vorab: Ich habe nichts per se gegen Google, AWS oder Azure.

Aber für Pragtive wollte ich – wo es geht und sinnvoll ist – auf europäische/deutsche Alternativen setzen. Gründe:

  • Politische Lage und DSGVO
  • Vendor Lock-in vermeiden
  • Preis (spoiler: Hetzner kostet ein Achtel von AWS)
  • Souveränität – ich möchte verstehen, was ich betreibe

Die drei großen Cloud-Anbieter haben natürlich Features, die ein Hetzner oder IONOS nicht bieten. Aber: Brauche ich die?

Für mein Angebot gehört zum Kern, dass ich verstehe, was ich betreibe. Und meistens kaufe ich einfach Server bzw. Cloud-VMs – und die kosten bei Hetzner nun mal ein Achtel bei fast identischem Feature-Set:

  • Ein physisch sicheres Rechenzentrum
  • SSH-Zugang auf eine VM
  • Was braucht man mehr?

Die IONOS-Entscheidung

In der Vergangenheit hatte ich sehr positive Erfahrungen mit Hetzner gemacht – allerdings ist das Angebot im Vergleich zu anderen sehr schmal.

Für Pragtive wollte ich als primären Cloud-Anbieter eine deutsche oder zumindest europäische Lösung – und habe mich zunächst für IONOS entschieden.

Mein Gedankengang:

  • IONOS hat ein deutlich umfassenderes Angebot als Hetzner
  • IONOS ist – zumindest aus meiner Sicht – der bekannteste deutsche Anbieter
  • IONOS bietet viele Services, die mir Arbeit abnehmen können

Also:

  • IONOS-Account erstellt
  • Einige Domains gekauft
  • Webspace gebucht (inkl. E-Mail)

Die Annahmen waren alle richtig. ABER:

Das Problem: Ich habe nicht verstanden, was ich gekauft habe

Ich, als IT-Experte mit 15 Jahren Erfahrung, habe im Nachhinein festgestellt, dass ich wohl nicht verstanden habe, was ich da eigentlich gekauft habe.

Das Angebot war – und ist – leider ziemlich verwirrend:

1) Webspace – der falsche

Ich dachte, ich bekomme den AI-assisted Website Builder – Frontend ist nicht gerade meine Stärke oder Leidenschaft.

Was ich bekommen habe: Webspace mit Datenbank – ohne Website Builder.

2) E-Mail-Adressen – nur eine?

Ich dachte: Webspace + Domain = beliebig viele Mail-Adressen (oder zumindest eine „sinnvolle“ Anzahl).

Realität: EINE Adresse.

3) IaaS – teurer als gedacht

Zwar 50% günstiger als die großen Cloud-Anbieter (wie beworben), aber trotzdem 3x so teuer wie Hetzner VMs.

4) Managed Nextcloud – ohne wichtige Features

Die managed Nextcloud (Talk) beinhaltet kein HPB (High Performance Backend) – ist also nicht zum Telefonieren mit mehr als 2 Teilnehmern geeignet.

5) Preistransparenz? Fehlanzeige

Selbst nach dem Kauf hatte ich Schwierigkeiten herauszufinden, was denn jetzt tatsächlich in meinen Verträgen enthalten ist.

Vor dem Kauf kann es auch schwierig sein herauszufinden, was etwas nach der 0€-Test-Phase kostet.

Fazit: Vielleicht liegt es auch nur an mir, aber im ersten Anlauf wurde ich mit IONOS nicht warm.

Der Umzug zu Hetzner

Das war ein ziemlich enttäuschendes Erlebnis – und ich habe über die folgenden Wochen vieles wieder zu meinem Lieblings-Cloud-Anbieter umgezogen:

Hetzner Webspace

  • Ca. 3€/Monat für das kleinste Paket (jetzt 1,90€)
  • 200 E-Mail-Adressen inklusive (mittlerweile sogar unbegrenzt)
  • Klar strukturiert, man versteht sofort, was man bekommt

Hetzner Nextcloud

  • 5,11€/Monat
  • Kein Limit an Nutzern
  • Zwar auch ohne HPB, aber dafür ohne künstliche Einschränkungen

Warum Hetzner besser passt

  • Kleines Angebot, aber man versteht, was man kauft
  • Klare Preise – keine Überraschungen
  • Transparenz bei Verträgen und Features

Der Moment der Versuchung

Während der Einrichtung und Umzieherei von IONOS zu Hetzner gab es oft den Moment, in dem ich dachte:

„Warum nicht einfach Google Workspace kaufen? 15€ pro Monat und alle Sorgen sind erstmal vom Tisch.“

Ich habe der Versuchung widerstanden.

Bin bei souverän und Open Source geblieben.

Und freue mich jetzt über eine Nextcloud, die – jetzt wo ich sie beruflich nutze – noch viel mehr kann, als ich dachte. Obwohl ich Nextcloud schon Jahre privat nutze, bin ich immer wieder positiv überrascht, wo ich es geschäftlich einsetzen kann.

Mehr dazu im nächsten Artikel.

Lernmoment: Auch bei „deutschen Anbietern“ genau hinschauen

Was ich gelernt habe:

Auch wenn ein Anbieter deutsch ist und „Souveränität“ verspricht – die Angebote können genauso verwirrend sein wie bei den großen Cloud-Anbietern.

Manchmal ist weniger mehr: Ein schlankes, transparentes Angebot (Hetzner) kann besser passen als ein umfassendes, aber undurchsichtiges Angebot (IONOS).

Ich will von Anfang an und dauerhaft eine Lösung, mit der ich voll zufrieden bin – nicht eine, die nur OK ist oder mich enttäuscht.


Diskussion

Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit Cloud-Anbietern gemacht? Wo seid ihr gelandet – bei den großen drei, bei europäischen Alternativen, oder hostet ihr alles selbst?

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